Hamburger Speicherstadt ist neue deutsche Welterbestätte

Hamburger Speicherstadt, Blick über das Brooksfleet Bild vergrößern Hamburger Speicherstadt, Blick über das Brooksfleet (© Wieckmann, Nicolai)

Bei der 39. Sitzung des Welterbekomitees in Bonn wurden im Juni 2015 nach zehn Tagen intensiver Verhandlungen 24 neue Stätten in die Welterbeliste aufgenommen. Deutschland darf sich über die Aufnahme der Hamburger Speicherstadt und des Kontorhausviertels freuen. Im Konsens wurde die Bonner Erklärung verabschiedet, die sich insbesondere gegen die Zerstörung kultureller Stätten durch Terrorismus wendet.

Die Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees vom 28. Juni bis 8. Juli in Bonn erreichte einen neuen Teilnehmerrekord: Mehr als 3300 Akkreditierungen, davon rund 200 Journalisten, nahmen an der Veranstaltung teil. Unter Vorsitz von Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt,  wurden nach teils kontroversen Debatten wichtige Beschlüsse gefasst.

Das Komitee überprüfte den Erhaltungszustand von 141 Welterbestätten. Großen Beifall der Beteiligten fanden die Fortschritte beim Great Barrier Reef, dem nun nicht mehr die Aufnahme in die rote Liste der bedrohten Stätten droht, gerade auch in Hinblick auf das beachtliche Engagement der australischen Regierung in diesem Bereich. Daneben standen Beratungen zu 36 neuen Nominierungen an, von denen es 24 schließlich schafften, in die Liste der Welterbestätten aufgenommen zu werden.

Aus deutscher Sicht besonders erfreulich: Auch die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit seinem berühmten Chilehaus stehen nun auf der begehrten Liste, nachdem sie im Jahr 2013 von der Kultusministerkonferenz dafür vorgeschlagen wurden. Die Speicherstadt ist ein großer Lagerhauskomplex im Hamburger Hafen aus dem 19. Jahrhundert, der komplett auf Eichenholzpfählen steht - als solcher der größte seiner Art weltweit.

Zu einer historischen Einigung konnte Staatsministerin Böhmer durch intensive Vermittlungsarbeit beitragen: Eine langwierige Kontroverse um die Nominierung der japanischer Industriedenkmale aus der Meiji-Zeit wurde beigelegt. In dieser Epoche begann die industrielle Revolution in Japan. In Südkorea stehen diese Industriedenkmale aber auch für das Leid der dort eingesetzten koreanischen Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges.

Ein besonderes Anliegen des deutschen Vorsitzes war die Überarbeitung der sogenannten "Operational Guidelines" für die UNESCO Welterbekonvention. Die erreichten Strukturreformen zielen auf mehr Transparenz, Dialog und Entpolitisierung von Kulturfragen. Der Haushalt fokussiert sich künftig stärker auf den Erhalt bestehender Welterbestätten.

Ein Novum auf der diesjährigen Komiteesitzung: Erstmals erhielten Nichtregierungsorganisationen (NRO) eigene Räumlichkeiten für Side-Events und konnten zu Sachfragen - etwa dem Great Barrier Reef - im Plenum das Wort ergreifen. Die nächste Sitzung des Welterbekomitees wird im türkischen Istanbul stattfinden.