Wo heute Touristensch iffe fahren, verlief bis 1989 eine tödliche Grenze - die Berliner
Mauer trennte fast 30 Jahre lang die Stadt, zwei Länder und zwei Systeme. Tausende
Menschen versuchten zwischen 1961 und 1989 aus Ostdeutschland zu fliehen und
riskierten dabei ihr Leben, Hunderte starben. Auch Peter Barsch scheiterte bei einem
Fluchtversuch. Er und sein Freund wurden verhaftet, aber sie überlebten.
O-TON Peter Barsch, Zeitzeuge:
“Ich habe es natürlich abgestritten. Dann hat mein Kumpel gesagt: 'Na vielleicht wollten
wir doch abhauen'. Ich bin daraufhin in den Knast gekommen und saß dann erst mal 23
Monate in Jugendhaft in der DDR.“
Die Fluchtpläne gab er nicht auf, still bereitete er den nächsten Versuch vor.
O-TON Peter Barsch, Zeitzeuge:
«Man hat über so etwas nicht reden können, weil du dann Leute belastet hast. Selbst
unter den engsten Bekannten erzählst du das nicht, denn wenn die dann selber mal
vernommen werden sollten, würden sie sich strafbar machen, weil sie dich nicht angezeigt
haben. Also immer ruhig die Klappe halten.»
Zusammen mit einer Freundin gelingt ihm bei seinem dritten Versuch schließlich die
Flucht. Unter Lebensgefahr durchschwimmen sie eine Grenzanlage. Heute führt Peter
Barsch auf dem Fahrrad Touristen entlang der ehemaligen Mauer. Durch Zeitzeugen wie
ihn wird die Geschichte greifbarer:
O-TON Anne Schubert, Teilnehmerin:
„Das ist Wahnsinn. Ich bin in Berlin groß geworden, und man lernt nie aus. Ich habe so
viel Neues erfahren durch den Zeitzeugen. An den verschiedenen Orten stehen zu bleiben
und so viel darüber erzählt zu bekommen, dadurch wird das richtig erlebbar. Ich hab auch
schon die ein oder andere Gänsehaut gehabt. Obwohl ich das nicht miterlebt habe, habe
ich das Gefühl: ich bin mittendrin.“
Leben erleben - das ist der Ansatz dieser geführten Touren durch Berlin. Anlass ist das 25.
Jubiläum des Mauerfalls.
O-TON Sascha Möllering, Berlin on Bike:
„Aber auch das Bedürfnis, diese Episode der deutschen Geschichte auf einer
persönlichen Ebene erlebbar zu machen.“
Die Menschen, die die Touren mitmachen, sind deutsche und ausländische Touristen.
Manche haben die Zeit der deutschen Teilung selbst erlebt, es kommen aber auch
Schulklassen. Peter Barsch geht es vor allem um die Erinnerung an eine Zeit, die man
heute kaum noch verstehen kann.
O-TON Peter Barsch, Zeitzeuge:
„Man sieht dann auch die Bilder, wir gehen ja da vorbei. Man sieht da die Kinder ihrer Zeit:
Damals war Elvis angesagt, die hatten dementsprechend auch die Frisuren von Elvis. Das
wechselt dann zu Pink Floyd in die 80er Jahre hinein – sie sind also Kinder ihrer Zeit
gewesen. Wenn Leute sich dafür interessieren, kann man Hintergrundinformationen
liefern, die keiner mehr erzählen kann, die auch spannend sind. Das sind einfach
deutsche Geschichten, die da erzählt werden.“
Von Mauerstation zu Mauerstation, von Erinnerungsort zu Erinnerungsort begibt sich Peter
Barsch mit seinen Gruppen auf eine Spurensuche in die deutsche Vergangenheit. Eine
Vergangenheit, die auch durch seine persönliche Geschichte lebendig gehalten wird